Presseberichte



"Eine Tür ging zu, eine andere auf"

In Neukirchen/Ostsee fand die erste Trauer-Familienfreizeit statt. Familien mit Kindern, die einen Verlust erlitten haben, bekamen die Gelegenheit, ihre Erlebnisse gemeinsam zu verarbeiten und Verständnis zu finden.

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Gemeinsam etwas tun: In Neukirchen suchten Familien nach Wegen,
mit dem Verlust eines nahen Menschen umzugehen.

Kinder erleben durch den Tod eines geliebten Menschen neben der eigenen seelischen Erschütterung die Schwere, Traurigkeit und Sprachlosigkeit der Erwachsenen. In einer Gesellschaft, deren Credo "Funktionstüchtigkeit" heißt, muss Trauerarbeit zwangsläufig zum Tabu werden. Ein ganz neues Thema in diesem Kontext ist die Kinder-Trauerarbeit, der sich jetzt Petra Blümel, Trauerbegleiterin im Kirchenkreis Schwansen, und Marlena Beckmann, Pädagogin im ambulanten Kinderhospizdienst am Katharinen-Hospiz Flensburg angenommen haben. In der Leiterin des Hospiz Flensburg, Hannelore Ingwersen, fand sie eine überzeugte Partnerin, die für die erforderlichen Rahmenbedingungen sorgte. Die Finanzierung in Höhe von 6500 Euro kam von Radio Nora. Der Märchenpädagoge Klaus Dörre, Britta Dietz, Dirk Wegner und Agnes Jensen (ehrenamtliche Mitarbeiter des Hospiz') bilden zusammen mit den beiden Leiterinnen ein Team. Acht Erwachsene, achtzehn Kinder und sieben Begleiter wachsen zu einer Gemeinschaft auf Zeit zusammen, erzeugen Raum für einen Wandlungsprozess, der im Gespräch mit den Kindern am deutlichsten wird.

Jonas, 13 Jahre, und Rene, 11 Jahre, drücken aus, was alle Kinder bereichernd erfuhren: Neue Freunde gefunden zu haben, die in der gleichen Situation sind. Franziska, 10 Jahre, wird noch konkreter: "Die Freunde zu Hause wollen trösten", doch sie fühlt, dass "sie das nicht wirklich meinen". Simone, 9 Jahre, verlor im vergangenen Jahr ihren Vater. Die Schulkameraden "verstehen nicht, dass sie noch immer weint." Lea, 9 Jahre, spricht offen über den tragischen Tod des Vaters.
Jan, 14 Jahre, erzählt, was die Gruppe gemeinsam bewegt: "schöne Sachen machen und dadurch freier werden." Franziska ergänzt: "die Wut rauslassen und sehen, dass dabei etwas Schönes herauskommt".

Zwei Tage lang arbeitete die Gruppe mit Steinen, die auf den Gräbern einen Platz finden werden: Symbole, die es in sich haben. Gemeinsam singen, Märchen hören, im Tippi übernachten, Steinmandala anlegen und Ton werden lassen, Lagerfeuer, rhythmische Massage, Nachtwanderung durchs Moor, Picknick am Strand, Trommel bauen und trommeln, miteinander sprechen, gemeinsam weinen - Spaß haben und Trauerarbeit.
Die Stärke der Begleiter lag in den ungeformten Angeboten. Christine Gornott verlor im vergangenen Jahr auf tragische Weise ihren Mann. Sie kleidet die erfahrene Rundum-Fürsorge in ein Bild: "wie eine Waage - so viel Trauer und so viel erhalten, fast wie belohnt zu werden für den Verlust. Das, was wir erlebten, ist viel größer als das, was einen selbst betrifft. Ich habe eine neue Wegrichtung gefunden" - trotz oder wegen der Tränen, die fließen, während sie spricht. "Eine Tür ging zu, eine andere auf."

Flensburger Tageblatt, 22.07.2006 (Original-Artikel als JPG-Bild)